Statistik zum Einsatz von Kontrastmitteln in der Schweiz

· von Martin Geissmann

Zum Einsatz von MRI und Röntgen/CT Kontrastmittel in der Schweiz

Kontrastmittel (KM) verbessern die Darstellung von Strukturen und Funktionen des Körpers bei bildgebenden Verfahren wie Röntgendiagnostik, Magnetresonanztomografie (MRT) und Sonografie (Ultraschall). (Wikipedia)

In den letzten Jahren ist vor allem Gadolinium-basiertes MRI-Kontrastmittel zunehmend in Kritik geraten. So konnten Studien Ablagerungen mit bestimmten Spätfolgen nachweisen (Nephrogene systemische Fibrose, langfristig auch Parkinson), vgl. Abraham et al. [2007], Welk et al. [2016], Tedeschi et al. [2017]).

Auch in den Medien sind entsprechende Berichte erschienen.1 2 3

Unabhängig der medizinischen Risiken scheint es interessant, bestimmte Musten in der Kontrastmittelabgabe festzustellen. Econovo hat entsprechende Daten aus dem SASIS Datenpool. Nachfolgende Statistiken konnten wir aufgrund schweizweiter Abrechnungsdaten der SASIS erstellen.

Markt und Umsatz

2018 wurden schweizweit Kontrastmittel in einem Gesamtwert von knapp CHF 80 Mio. verrechnet. Relativ zu Umsatz aus radiologischen Tarifleistungen welche CHF 1.1 Mrd. überschreiten, sind das immerhin 6.6%. Rückblickend über die vergangenen Jahre ist der Umsatzanteil leicht gestiegen.

Gruppe Kontrastmittel Mio. CHF Tarmed Mio. CHF Anteil KM
Radiologie 19.9 331.2 5.67%
Spitäler 59.3 783.4 7.04%
TOTAL 79.2 1’114.6 6.64%

Eingesetzte Kontrastmittel

Umsatzmössig am stärksten vertreten ist das Gadolinium-Präparat Dotarem von Guerbet, gefolgt von Gadovist (Bayer). Ebenfalls in der absatzgeordneten Top-10 sind 6 nicht-ionische Röntgenkontrastmitteln, angeführt von Iomeron (Bracco), welches insbesondere in der Spitalmedizin zur Anwendung zu kommen scheint.

Produkt Rad. MCHF Spi. MCHF Tot. MCHF Tsd. Dosen Hersteller Substanzen Anwendung Typ
DOTAREM 9.0 15.0 23.9 218 Guerbet AG Acidum gado. MR
GADOVIST 2.6 9.5 12.1 101 Bayer (Schw. Gadobutrolu. MR
IOMERON 1.0 7.2 8.2 1’030 Bracco Suis. Iomeprolum nicht-io.
ULTRAVIST 0.5 6.2 6.7 278 Bayer (Schw. Iopromidum nicht-io.
XENETIX 1.4 3.9 5.2 163 Guerbet AG Iobitridolu. nicht-io.
ACCUPAQUE 0.3 4.8 5.0 93 GE Healthca. Iodum nicht-io.
VISIPAQUE 0.3 2.7 3.0 339 GE Healthca. Iodixanolum nicht-io.
IOPAMIRO 0.4 2.2 2.6 143 Bracco Suis. Iopamidolum nicht-io.
PROHANCE 1.1 1.0 2.1 14 Bracco Suis. Gadoteridol. MR
PRIMOVIST 0.3 1.7 1.9 8 Bayer (Schw. Dinatrii ga. MR

Rad. MCHF: Abgerechnete Summe in Millionen CHF durch Facharztgruppe Radiologie

Spi. MCHF: Abgerechnete Summe in Millionen CHF durch Spitäler

Verrechnungspreise

Bei den Preisen orientieren sich Leistungserbringer an den Publikumspreise gemäss der Spezialitätenliste des BAG. Rabatte beim Einkauf allenfalls gewährt werden, werden wie unsere Daten zeigen nicht systematisch weitergegeben.

Bezeichnung BetragMCHF AnzahlTsd median PP Medianabw. z. PP (%)
DOTAREM Inj Lös 4.189 g/15ml Fertspr 15 ml 8.1 74 110.7 112.80 -1.9
DOTAREM Inj Lös 5.586 g/20ml Fertspr 20 ml 6.0 45 136.3 138.20 -1.4
GADOVIST 1.0 Inj Lös Fertspr 7.5 ml 5.8 50 115.8 116.85 -0.9
DOTAREM Inj Lös 5.586 g/20ml Durchstf 20 ml 3.9 29 135.6 138.20 -1.9
GADOVIST 1.0 Inj Lös Fertspr 10 ml 3.4 26 129.4 130.25 -0.7
DOTAREM Inj Lös 4.189 g/15ml Durchstf 15 ml 2.4 23 109.8 112.80 -2.7
IOMERON Inj Lös 400 mg/ml Fl 100 ml 2.3 192 107.8 109.85 -1.9
IOMERON Inj Lös 400 mg/ml 10 Fl 100 ml 2.3 13 152.2
XENETIX Inj Lös 350 mg Amp 100 ml 2.1 22 94.2 94.90 -0.7
XENETIX Inj Lös 300 mg Amp 100 ml 1.8 24 85.7 88.20 -2.8

PP: Publikumspreis gem. http://www.spezialitätenliste.ch per 01.01.2018

MR Kontrastmittel

Die Anwendung von MRI Kontrastmittel ist ungleichmässig verteilt wenn man die verschiedenen Kantone betrachtet. So wird pro MRI Grundleistung im Wallis lediglich einen Betrag an MRI Kontrastmittel von nicht ganz CHF 40 in Rechnung gestellt. In den Kantonen Aargau und Solothurn sind es im Gegensatz dazu fast CHF 70. Neben den naheliegenden Grund, dass in einigen Kantonen einfach mehr KM-Untersuchungen gefahren werden, sind auch andere Erklärungen möglich. Etwa könnten Grossdosen auf mehrere Untersuchungen gesplittet werden, was pro Patienten zu geringeren Kosten führt.

Ebenfalls denkbar wäre ein abweichender Abrechnungsmodi im Kanton Wallis, welcher dazu führt, dass die einige Kontrastmittel in der Leistungsstatistik nicht als radiologische Leistungen erscheinen. Ob dies ein Grund sein kann, ist uns nicht bekannt.

Zu beobachten ist positive Korrelation des Umsatzes zu den durchgeführten weiteren Serien im MRI (25%). Ohne die Ausreisserkantone VD, VS, GE, FR liegt die Korrelation zu weiteren Serien KM-Umsatz (beide pro techn. Grundleistung) bei 94%.

Kanton MR KM (TCHF) Grundleistungen MRI (in Tsd.) MR KM pro MR GL (CHF)
AG+SO 4’642.4 66.9 69.41
SG 3’428.5 51.2 66.94
BE 6’399.8 101.2 63.21
AI+AR+SH+TG 1’092.5 17.4 62.63
VD 4’891.4 79.8 61.30
NE+JU 848.2 14.3 59.25
ZH 8’610.1 147.9 58.22
LU 1’829.0 32.1 56.94
GL+NW+OW+UR+SZ+ZG 1’443.3 26.7 53.99
TI 2’060.6 38.6 53.32
GR 745.4 15.5 48.08
BL+BS 2’295.1 49.9 45.99
GE 2’063.6 47.2 43.74
FR 594.4 14.8 40.11
VS 574.1 14.5 39.68

Zu beobachten ist positive Korrelation des Umsatzes zu den durchgeführten weiteren Serien im MRI (25%). Ohne die Ausreisserkantone VD, VS, GE, FR liegt die Korrelation zu weiteren Serien KM-Umsatz (beide pro techn. Grundleistung) bei 94%.

Röntgen-CT Kontrastmittel

Kanton Grundleistungen CT (in Tsd.) Rö KM pro CT GL (CHF)
SG 31.0 90.77
GR 9.4 81.35
FR 13.9 72.76
AG+SO 43.5 66.93
BE 61.3 66.35
NE+JU 16.3 63.91
TI 26.8 60.63
GL+NW+OW+UR+SZ+ZG 15.8 60.37
VD 63.0 59.87
LU 22.1 59.72
ZH 96.4 59.23
AI+AR+SH+TG 17.3 56.25
GE 40.7 51.16
BL+BS 35.3 51.00
VS 18.2 40.70

Auch bei den Röntgen-KM liegt der Verdacht nahe, dass in einigen Kantonen das Kontrastmittel anders oder nicht den Radiologen zuordenbar abgerechnet wird. Möglicherweise als Pauschale oder zu vereinbarten Fixpreisen gegenüber Krankenkassen, als Dummyposition nicht zurechenbar, als Medikament auf Rezept statt im Untersuchungsgebrauch oder andere Gründe.

MR Kontrastmittel

Verwendete Dosierungen Dotarem

https://compendium.ch/mpro/mnr/4090/html/de

60 ml als Vial, wird als Bruchteil verrechnet. Gem. Compendium:

Grundsätzlich gilt es bei der Anwendung von Kontrastmitteln die allgemeinen Hygienevorschriften für sterile Lösungen zu beachten. Da die Lösungen nicht konserviert sind, sollten die in einem Untersuchungsgang nicht verbrauchten Restmengen verworfen werden.

In Verbindung mit Injektomaten oder Infusomaten sowie den 60 Vials sollten zusätzlich die folgenden Hygienemassnahmen befolgt werden: Die Entnahme des Kontrastmittels darf nur mittels einem geschlossenem System, welches zumindest über einen Trokar mit Schutzkappe, einen Luftfilter und einen Lueranschluss mit direktem Schlauchanschluss verfügt, erfolgen. Die Vials dürfen nur einmal angestochen werden. Die vom Hersteller der Entnahme- und Fillingsets sowie der Injektomaten verfügten Gebrauchshinweise sollten unbedingt berücksichtigt werden. Die zum Patienten führenden Schlauchverbindungen sollten über hygienegeprüfte Rückflussventile verfügen und jedes Mal ausgetauscht werden. Zumindest am Ende des Tagesprogramms müssen die Restmengen sowohl in den Flaschen wie auch in den Zuleitungsschläuchen verworfen werden.

Die verwendeten Daten lassen bei den 60 ml Einheiten keine Rückschlüsse über effektiv verrechnete Menge pro Patient zu.

Gadovist

https://compendium.ch/mpro/mnr/20681/html/de

Vial 65 ml für Anwendung in Injektomaten und als anteilsmässig verrechnet. Gem. Compendium:

Grossbehälter

Bei Anwendung der 100 ml Infusionsflasche (enthält 65 ml) gelten zusätzlich folgende Hinweise: Das Kontrastmittel darf nur in Verbindung mit einem Injektomaten verwendet werden.

Gadovist 65 ml wird anteilsmässig verrechnet. Preisgemäss darf aufgrund der SASIS Daten von einer unterteilung in geringe Dosen von 7.5 ml und 10 ml ausgegangen werden. Die anteilsmässige Verrechnung grösserer Einheiten ist für Kostenträger günstiger.

Röntgen Kontrastmittel

Iomeron

https://compendium.ch/mpro/mnr/7239/html/de

Flasche 500 ml für Anwendung in Injektomaten und als anteilsmässig verrechnet. Gem. Compendium:

Für die Anwendung der Flasche zu 500 ml gelten zusätzlich die folgenden Hinweise:

Das Kontrastmittel darf nur in Verbindung mit einem Injektomaten verwendet werden. Einmalartikel des Injektorsystems sind nach jedem Untersuchungsgang zu verwerfen.

Verwendete Jodkonzentrationen 350 und 400 ml/mg.

Ultravist

https://compendium.ch/mpro/mnr/20744/html/de

Gem. Compendium:

20 ml, 50 ml und 100 ml Kontrastmittellösung, die nicht bei einer einzigen Untersuchung eines bestimmten Patienten verbraucht wurde, ist zu verwerfen.

Für Flaschen 200 ml und 500 ml gem. Compendium:

Grossvolumige Behälter (nur für intravasale Verabreichung)

Für die Mehrfachentnahme von Kontrastmitteln aus Behältnissen zu 200 ml und mehr gilt folgendes:

Die Mehrfachentnahme von Kontrastmitteln muss mit einem hierfür zugelassenen Entnahmebesteck erfolgen.

Um zu verhindern, dass grössere Mengen Mikropartikel vom Stopfen in die Lösung gelangen, darf der Gummistopfen nicht mehr als einmal durchstochen werden.

Das Kontrastmittel muss mit Hilfe eines Injektomaten oder nach einem anderen zugelassenen Verfahren verabreicht werden, bei dem die Sterilität des Kontrastmittels gewährleistet ist.

Xenetix

https://compendium.ch/mpro/mnr/5520/html/de

Gem. Compendium:

Grundsätzlich gilt es bei der Anwendung von Kontrastmitteln die allgemeinen Hygienevorschriften für sterile Lösungen zu beachten. Da die Lösungen nicht konserviert sind und es sich um Eindosenbehälter handelt, sind die in einem Untersuchungsgang nicht verbrauchten Restmengen zu verwerfen. Die Polypropylenbeutel können ohne Anzustechen mit einer Luer-Verbindung entleert werden. (…) Am Ende des Untersuchungstages sind die verbliebenen Reste des Kontrastmittels zu verwerfen.

Accupaque

https://compendium.ch/mpro/mnr/9622/html/de

500 ml Flasche, gem. Compendium:

Zusätzliche Hinweise für die 500 ml Flasche

Die 500-ml-Infusionsflaschen können für den mehrfachen Gebrauch während eines Arbeitstages intravasal eingesetzt werden, falls mit einem für dieses Volumen zugelassenen Injektomaten gearbeitet wird. (…)

Visipaque

https://compendium.ch/mpro/mnr/4471/html/de

500 ml Flasche, gem. Compendium:

Zusätzliche Hinweise für die 500 ml Flasche

Die 500 ml-Infusionsflaschen können für den mehrfachen Gebrauch während eines Arbeitstages intravasal eingesetzt werden, falls mit einem für dieses Volumen zugelassenen Injektomaten gearbeitet wird.

Datenquellen

  • SASIS 2018 ambulante Behandlungen nach Tarmed, Kontrastmittel nach ATC08, Hochrechnung mittels durch SASIS geschätzen Abdeckungsgraden (96.9% für Ärzte Medikamente, 91.8% für Spitäler ambulant Medikamente): Auswertung des TARMED-Kapitels 39 auf die einzelnen TARMED Positionen für die Spitäler und die Facharztgruppe Radiologie, sowie die einzelnen Medikamente der ATC Ebene V08 für das Behandlungsjahr 2018.
  • Spezialitätenliste BAG per 01.01.2018 mit Informationen zu Hersteller, Substanz, Publikumspreis: http://www.spezialitätenliste.ch
  • Einsatz und Eigenschaften, gem. Recherche https://compendium.ch/home/de

Econovo

Wir erbringen ökonomische Beratungsdienstleistungen, vornehmlich im Gesundheitswesen, an Ärzte, Spitäler und Startups. Bei unserer Arbeit bedienen wir uns analytischen und datenbasieren Techniken.

Zu unseren Themen zählen:

  • interne Audits
  • Markt- und gesundheitsökonomische Analysen
  • Business Planning
  • Tarif- und Revisionsimpact-Analysen
  • Firmen-/Praxenbewertungen und -transaktionen
  • Business Intelligence, Business Cockpits
  • Datenanalysen in allen Bereichen

Bei unserer Arbeit können wir auf ein ausgewähltes Netzwerk an Spezialisten zurückgreifen, etwa auf Juristen, Ärzte, Data Scientists und mehr.

Martin Geissmann (geb. 1987) hat Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich studiert. Während drei Jahren (2013 - 2016) war er Leiter Finanzen bei bilddiagnostik.ch, welche per 1.1.2015 durch das Universitätsspital Basel übernommen wurde.

Seit 2016 berät über seine Firma Econovo verschiedene Kunden, mehrheitlich Anbieter von medizinischen Dienstleistungen und Produkten, insbesondere auch in der Radiologie.