Ärztedemographie Schweiz

· von Martin Geissmann

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Datengrundlage FMH

Die FMH publiziert jährlich Zahlen zu den in der Schweiz tätigen Ärzten und Ärztinnen. Neben einem ausführlichen Bericht (Link 2018), ist eine Vielzahl der Statistikdaten ebenfalls über ein Abfragetool verfügbar (Online Abfragetool).

Per Ende 2018 zählt man 37’525 berufstätige Ärztinnen/Ärzte, 625 mehr als 2017 (+1.7%). Das entspricht 4.4 Mediziner pro 1’000 Einwohner, oder unter Berücksichtigung der Pensen ca. 3.9 Vollzeitarztpensen. Dies lässt auf ein durchschnittliches Arbeitspensum über die gesamte Ärzteschaft von knapp 90% schliessen.

Gemäss der FMH Zahlen waren 2018 knapp 52% der Ärzte sind im ambulanten Sektor tätig.1 Der Abstand des ambulanten Sektors auf den stationären Sektor hat sich über die letzten Jahre leicht verringert.

Zum ebenfalls genannten anderen Sektor zählen Tätigkeiten ausserhalb der ambulanten oder stationären Sektors, etwa eine Professur, Dozentur oder eine Anstellung im privaten oder öffentlichen Bereich (Versicherungen, Behörde, Forschung). Eine absolut tendenziell stärkere Dotierung im anderen Sektor weisen etwa die Kantone Bern, Zürich, Luzern und Basel-Stadt auf.

Geschlechterverteilung: Ärzte und Ärztinnen

Die Statistik zeigt, dass der Anteil Ärztinnen bei 42.6% liegt. Es sind geschlechterspezifische Unterschiede sowohl zwischen Kantonen und erwartungsgemäss auch bezüglich Fachrichtungen zu erkennen.

Über alle Kantone bis auf Schaffhausen2 weist der stationäre Sektor einen wesentlich höheren Frauenanteil auf als der ambulante Sektor. Die Weiterbildung durch Assistenztätigkeit findet hauptsächlich in Spitälern statt, was sich ebenfalls in einem tieferem Durchschnittsalter im stationären Sektor wiederspiegelt (s. Abschnitt Altersstruktur und ebenfalls Bericht FMH-Ärztestatistik 2018). Nach Erwerb eines Facharzttitels wenden sich viele Mediziner dem ambulanten Sektor zu. Der bei der weiblichen Erwerbsbevölkerung allgemein beobachtete vorübergehende Rückgang der Erwerbsbeteiligung in der Phase der Familiengründung (BFS 20183) dürfte ein wesentlicher Teil des tieferen Frauenanteils im ambulanten Sektor erklären.

Das höhere Durchschnittsalter der männlichen Arztkollegen (am stärksten vertretene Kohorte 55-59 Jahre, bei Ärztinnen 45-49) liegt eine künfigte Verschiebung in den Geschlechterverhältnissen nahe. Unterstützt wird diese Prognose durch die Beobachtung in der Ausbildung, wo der Anteil Medizinstudentinnen bei knapp über 60% liegt. Bei den 2018 neu erworbenen Facharzttiteln liegt der Frauenanteil bei 56.2%.

Facharzttitel nach Geschlecht

Bei den Facharzttiteln sind ebenfalls geschlechterspezfische Unterschiede erkennbar. Der Frauenanteil in den generalistischen Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin4, Kinder- und Jugendmedizin und Praktischer Arzt liegt im Bestand bei 42%. Bei den Spezialärzten liegt entsprechender Anteil bei lediglich 36.5%.

Der Anteil Ärztinnen in der Allgemeinmedizin ist zunehmend. Bei den 2018 verliehenen Weiterbildungstiteln lag der Anteil weiblicher Neudiplomierten in generalistischen Fachrichtungen bei 63.3%.

Insgesamt sind 42.5% der Facharzttitel der berufstätigen Ärzte der drei generalistischen Gebiete zuzuschreiben, wobei es sich bei der Allgemeinen Inneren Medizin um die bei weitem am stärksten vertretene Fachrichtung handelt. Eine Tendenz zu vermehrter Spezialisierung ist erkennbar.

Wo arbeiten Ärzte, wo Ärztinnen?

Ein Blick auf die räumliche Verteilung zeigt, dass Ärztinnen tendenziell zentrumsnaher arbeiten als Ärzte. Für diese Analyse selektieren wir die fünf bevölkerungsreichsten Schweizer Städte und weisen jedem Arzt die Luftliniendistanz zur nächstgelegensten Grossstadt zu. Im Schnitt weisen Ärzte eine Distanz von 32.5 km auf, Ärztinnen eine von 29.4 km.5

Nationalitäten

Im FMH Bericht 2018 wird festgehalten, dass der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte weiter steigt, 2018 auf über einen Drittel aller berufstätigen Ärzte (35.4%). Der Anteil ausländischer Ärzte übersteigt den Anteil ausländischer Ärztinnen leicht.

Die Mehrzahl ausländischer Ärzte kommen aus Deutschland (53.8%), gefolgt von Italien (8.8%), Frankreich (6.7%) und Österreich (6.1%).

Unsere eigene geografische Analyse zeigt, dass bezüglich der Herkunftnationen deutliche regionale Unterschiede erkenbar sind. So sind deutsche Fachärzte insbesondere in der Deutschschweiz und insbesondere in den Ballungszentren Basel, Zürich, Bern und Sankt Gallen und Luzern angesiedelt. In der Westschweiz sind vermehrt Ärzte französischer Herkunft beschäftigt und im Tessin ist eine Akkumulation italienischer Ärzte zu erkennen.

Vor allem in der Genferseeregion aber allgemein in der Westschweiz sind tendenziell mehr andere Nationalitäten vertreten.

Interessant ist ebenfalls die Feststelung, dass bei den 2018 neu verliehenen Facharzttiteln 42.5% der Neudiplomierten ein ausländisches Ärztediplom ausweisen.

Altersstruktur

Die Alterspyramide zeigt, dass der Ärztenachwuchs vermehrt weiblich ist. Bis zur Kohorte 40 bis 44 Jahre sind Ärztinnen inzwischen in der Überzahl (51.1% Ärztinnen 40-44). 2008 war gleiche Kohorte noch deutlich männerdominiert (40.3% Ärztinnen). Abzuleiten aus dieser Entwicklung ist, dass es eine anzahlmässige Geschlechtergleichstellung absehbar ist.

Weiter lässt sich aus der Altersverteilung ein längere Arbeitstätigkeit vor allem bei ambulant tätigen Ärzten beobachten. So sind im ambulanten Sektor inzwischen 21.7% aller Mediziner 65 Jahre oder älter. 2008 waren es noch deren 9.7%.

Fazit

Die FMH Ärztestatistik ist die wichtigste Erhebung über die berufstätigen Ärzte in der Schweiz. Sie wird jährlich erstellt und basiert neben offiziellen Registerangaben (Anzahl, Fachrichtungen, Geschlechter) ebenfalls auf durch einzelne Ärzte eigens gemachten Angaben welche mittels Fragebogen erhoben werden (s. myFMH Mitgliederportal).

Die Zahlen sind Momentaufnahmen, welche jedoch wie alle demographischen Statistiken auch Aussagen über die Zukunft erlauben: welche Fachrichtungen werden künftig wie stark vertreten sein, wie sieht die Geschlechterverteilung der Mediziner demnächst aus, wie passt sich die Altersstruktur an, oder wie sieht das Medizinalangebot der Zukunft aus. Das sind nur einige Fragen auf welche Antworten gefunden werden können.

Über unsere Arbeit

Econovo analysiert Daten für Ärzte, Praxen und Spitäler in der Schweiz. Wir stellen beobachtete Grössen in Kontext indem wir verschiedenste Datenquellen miteinander verknüpfen. Die Erkenntnisse erbringen den Auftraggebern direkten Nutzen.

Bei Fragen und Anregungen freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.


  1. Die Erhebung des Bundesamt für Statistik (BfS) unterscheidet sich bezüglich des stationären Sektors deutlich von den FMH Zahlen. So kommt das BfS auf gemäss der Statistik Krankenhäuser Korrigierte Version 15.02.2019 (Quelle) auf eine höhere Anzahl stationär tätiger Mediziner. 2017: 23’330 in Spitälern beschäftigte Ärzte vollzeitäquivalent (BfS) vs. 17’466 gem. FMH.

  2. Der Kanton Schaffhausen ist ein Ausreiser mit einem tieferen Ärztinnenanteil im stationären verglichen mit dem ambulanten Sektor. Aufgrund der vorliegenden Daten, ist davon auszugehen, dass bei den Spitäler Schaffhausen vergleichsweise weniger Ärztinnen beschäftigt sind. Die Hirslanden Klinik Belair (2017) als zweite Institution im Kanton SH dürfte als Belegarztspital keinen wesentlichen Einfluss haben.

  3. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/medienmitteilungen.assetdetail.23315.html

  4. Seit dem 01.01.2011 ist der neue Facharzttitel “Allgemeine Innere Medizin” in Kraft und hat die beiden bisherigen Facharzttitel “Allgemeinmedizin” und “Innere Medizin” abgelöst. (Quelle: FMH)

  5. Eigene Daten von Econovo. Die von uns unterhaltene Datenbank per Anfang 2019 enthält rund 32 Tsd. geolokalisierte Einträge. Eine verzerrte Selektion (Bias) kann nicht ausgeschlossen werden.