In welchen Kantonen es mehr Anwälte als Ärzte gibt

· von Martin Geissmann

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Von Anwälten und Ärzten

Die Schweiz zählt 18’858 Ärzte mit Praxistätigkeit. Dies sagt die letzte Erhebung des Bundesamt für Statistik aus dem Jahr 2017.1 Die Anzahl in den kantonalen Anwaltsregistern geführte Anwälte beläuft sich derzeit schweizweit auf 12’967.2 Im Schnitt kommen damit 450 Einwohner auf jeden Arzt mit Praxistätigkeit bzw. 654 Einwohner auf jeden registrierten Anwalt.

Im Kehrwert resultiert dies in einer Dichte von 1.53 Anwälten bzw. 2.22 Ärzten auf 1’000 Einwohner.

Interessanterweise variiert die Anzahl Ärzte und Anwälte nicht nur absolut, sondern auch relativ zueinander. Die wirtschaftlich starken Kantonen Genf, Basel-Stadt und Zürich haben sowohl eine höhere Anzahl Ärzte wie auch Anwälte. Die Korrelation beträgt immerhin 0.796.

In fünf Kantonen zählen sich mehr Anwälte als Ärzte: Genf als Ausreisser mit knapp 5 Anwälten pro 1’000 Einwohner, Zug, Neuenburg, Tessin und Uri.

Relativ mehr Ärzte zu Anwälten finden sich etwa in den Kantonen Basel-Landschaft, Thurgau, Schaffhausen oder Aargau. Dies sind tendenziell periphere Regionen, mit negativem Pendlerstrom (Schlafkantone).

Wie kann eine höhere Anwaltsdichte erklärt werden?

Es fragt sich, inwiefern die Differenzen quantitativ erklärt werden können. Aufgrund der festgestellten Korrelation empfiehlt sich die Ärztedichte als eine erklärende Variable für die Anwaltsdichte. Weiter sollen nachfolgend folgende Variablen evaluiert werden:

  • die absolute Bevölkerungszahl;
  • die Wirtschaftsleistung pro Einwohner (bip_per_1);3
  • Netto Patientenfluss stationäre Spitalaufenthalte, relativ zur Wohnbevölkerung (fluss_netto_rel)4

Von letzterer Variable kann sich erhofft werden, dass ähnliche Muster im ambulanten Bereich anzutreffen sind wie diese auch bei der stationären Patientenmobilität spielen.

Die Statistik zeigt, dass etwa in den Kantonen Basel-Stadt, Bern und Zürich der netto Patientenfluss positiv ist. Neben der eigenen Bevölkerung begeben sich in jenen Kantonen auch viele ausserkantonale Patienten in Behandlung, was unter anderem mit der Bedeutung der Universitätsspitälern zusammenhängen dürfte.

Nachfolgend die Schätzwerte der linearen Regressionsmodelle mit der Anwaltsdichte (iur_per_1000) als abhängige Variable:

  model 1 model 2 model 3
Predictors Estimates std. Error p Estimates std. Error p Estimates std. Error p
(Intercept) -0.84 0.36 0.029 -0.99 0.40 0.021 -1.09 0.52 0.048
med per 1000 1.12 0.18 <0.001 0.92 0.28 0.004 0.94 0.30 0.005
Einwohner -0.00 0.00 0.664 -0.00 0.00 0.897 -0.00 0.00 0.962
bip per 1 6.48 7.21 0.378 7.01 7.53 0.363
fluss netto rel -0.17 0.52 0.749
Observations 26 26 26
R2 / R2 adjusted 0.636 / 0.605 0.649 / 0.601 0.651 / 0.585

Die Regressionsanalyse zeigt jedoch keine signifikante Abhängigkeit von den zusätzlich einbezogenen Variablen. Die Gründe für eine höhere Anwaltsdichte dürften demnach eher bei kantonsspezifischen Gegebenheiten zu suchen sein, etwa im internationalen Handel und Organisationen (Genf), Firmenstandort (Zug) oder Ballungszentren (Zürich, Basel).

Geografische Darstellung

Um die geografische Komponente darzustellen nachfolgend als Karte:

Schlussfolgerung

Während sowohl Unterschiede in der Ärzte- wie auch Anwaltsdichte gibt, so ist die Verteilung der Ärzte tendenziell gleichmässiger. Bei der Anzahl Ärzten relativ zur Bevölkerungszahl finden sich die beiden Ausreisser Genf und Basel-Stadt. Beides Kantone sind ebenfalls bei der Anwaltsdichte führend.

Die Gründe für die hohe sowohl absolute wie auch relative Anwaltsdichte in den Kantonen Tessin und Neuenburg konnte mit den betrachteten Parametern nicht erklärt werden.

Die Kantone Zug, Neuenburg, Zürich und Tessin finden sich im mittleren Bereich bei der Anwaltsdichte. Diese Kantone weisen ebenfalls eine mittlere bis hohe Ärztedichte auf.

Die Mehrzahl der Kantone haben jedoch weniger Anwälte und tendenziell mehr Ärzte im Vergleich zu Anwälten. Von den grossen Kantonen zählen dazu etwa Bern, das Wallis und das Aargau.

Basel-Landschaft, Thurgau und Schaffhausen sind Beispiele für Kantone mit einer relativ hohen Ärzte- zu Anwaltsdichte.

Über unsere Arbeit

Econovo analysiert Daten vor allem für Ärzte, Praxen und Spitäler in der Schweiz. Wir stellen beobachtete Grössen in Kontext und bedienen uns dabei öffentlicher Datenquellen. Hier konnten wir für unsere Analyse kantonale Daten unter anderen vom Bundesamt für Statistik beiziehen.

Bei Fragen und Anregungen freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.


  1. BfS Ärzte mit Praxistätigkeit, 2017: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/tabellen.assetdetail.6087330.html

  2. Eigene Zusammenstellung aufgrund kantonaler Anwaltslisten, Stand 9.4.2019, https://www.sav-fsa.ch/de/anwaltsrecht/anwaltsregister.html

  3. BfS Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Grossregion und Kanton, 2016: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/tabellen.assetdetail.6369918.html

  4. BfS Fluss der hospitalisierten Patienten nach ihrem Wohnkanton und nach Kanton des Leistungserbringers, 2017: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/tabellen.assetdetail.6406920.html