Tarifentwicklung und Abrechnung in der Radiologie

· von Martin Geissmann

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TARMED Revision

Per 1. Januar 2018 ist die TARMED Version 01.09.00_BR_BVG in Kraft getreten. Die Anpassung ist eine massive Reduktion für Leistungen von Spezialärzten, insbesondere auch Radiologen. Verglichen mit der Anpassung von Oktober 2014 (damals minus 8.5% auf technische Leistung), bedeutet der letzte Eingriff eine weitaus umfangreichere Kürzung. Radiologieinstitute sind mit einem Umsatzrückgang von zwischen 12 und 20% konfrontiert.

Vor allem Hauptleistungen (MRI -18.5%, CT -21%) und auch weitere Serien (MR und CT je -30%) wurden stark beschnitten und bedeuten schwerwiegende Eingriffe in die Wirtschaftlichkeit für spezialisierte Radiologieinstitute. Als Beispiele zu nennen sind nachfolgend dargestellte neuroradiologische Positionen, welche vom Tarifeingriff besonders tangiert sind.

Hochrechnung

Es stellt sich die Frage, wie weit der neue Tarif die Wirtschaftlichkeit von Radiologieinstituten beeinflusst. Nachfolgende dargestellte Hochrechnung geht aus von einem durchschnittlichen1 Radiologieinstitut mit neben Röntgen und Ultraschall, 2500 MRI und 910 CT pro Jahr. Bei einem angenommenen KVG Taxpunktwert von 89 Rp. (ZH), errechnet sich einen Rückgang des Umsatzes von 3.1 auf 2.7 Mio. Franken (-13%). N.b. federt das angenommene Durchschnittsintitut den Umsatzeinbruch mit relativ vielen Röntgen- und Ultraschall-Untersuchungen ab.

Institute mit bereits vor Tarifanpassung hoher Kostenstruktur und tiefen Margen sind besonders unter Druck. Sparmassnahmen wie Einsparungen beim Personal und Untersuchungsqualität (quick and dirty) gehen schlussendlich zulasten der Patienten. Auch eine versuchte Abfederung über Mengenausweitung (Selbstzuweisungen) wird wahrscheinlich von einigen Instituten ins Auge gefasst.

Was kann unternommen werden?

Die beiden für die Ertragsgenerierung verantwortlichen Bereiche (1) Auslastung und (2) Abrechnung sind mit den richtigen Techniken zu optimieren.

1 Auslastung

Für Röntgeninstitute prioritär ist es, die Anzahl Zuweisungen zu halten, oder idealerweise zu steigern. Die zunehmende Konkurrenz durch (auch öffentliche) Spitälern im ambulanten Bereich erschwert dies zunehmend. Allfällige Zuweisungsrückgänge müssen darum frühzeitig erkannt werden:

  • Welche Zuweiser schicken weniger?
  • Gibt es auffällige Muster von Untersuchungstypen oder -modalitäten, für welche ein Zuweiser keine Patienten schickt?2 Patienten mit bestimmten Versicherungsmodelle (z.B. HMO) welche nicht zugewiesen werden?
  • Gibt es auffällige Rückgänge welche Frühzeitig erkannt werden können, um direkt auf den Zuweiser zuzugehen?

2 Abrechnung

Bei der Abrechnung geht es darum, die erbrachten Leistungen vollständig und nach nach geltendem Tarif korrekt zu fakturieren. Bei einem Leistungsaudit kombinieren wir darum zwei Methoden:

  • statistische Auswertung aufgrund von Gesamtmarktdaten. Welche Leistungen und in welcher Relation zueinander rechnen Mitbewerber ab?
    • Anteil MRI/CT Hauptleistungen mit weiterer Serie
    • Betreuung durch Facharzt (39.4015 und 39.5015)
    • MR Angios
    • MRI Neurokranium, mit/ohne Gesichtschädel
  • Detail-/Stichprobenprüfung, wobei ausgewählte Fälle oder Untersuchungstage im Detail angeschaut werden. Dabei ist zu prüfen

Mit von uns entwickelter Kennzahlen, etwa die Anzahl Taxpunkte pro Untersuchung oder die Häufigkeit von weiterer Serien im CT und MRI, können wir sowohl Drittvergleiche anstellen (SASIS Datensatz), als auch Entwicklungen über die Zeit identifizieren. Ebenfalls von Interesse ist die Frage, welches Potential für eine Leistungsausdehnung noch vorhanden ist: wird der Tarif bereits ausgereizt? Welchen TP-Umsatz erzielen Mitbewerber mit einer ähnlichen Fallstruktur?

Blick in die Zukunft

Im Oktober 2018 haben die Tarifpartner FMH, Curafutura (CSS, Helsana, KPT, Sanitas) und MTK-UVG die Arbeitsversion für ihren Vorschlag für einen neuen ambulanten Leistungstarif publiziert.3 Die Tarifpartner treten unter dem Dach der Aktiengesellschaft atm-tms AG auf. Der Leistungsstruktur fehlen noch Anwendungsund Abrechnungsregeln, also insbesondere Mengenbeschränkungen und Kombinationseinschränkungen. Letztere sind in der Radiologie wahrscheinlich wieder die Untersuchung von angrenzender Regionen, beispielsweise Knie und Oberschenkel, in der gleichen Sitzung.

Wie wahrscheinlich es ist, dass der Vorschlag allenfalls bereits ab dem Jahr 2020 den TARMED ablösen wird, ist unter den gegebenen Umständen schwierig zu prognostizieren. Politischer Konsens scheint inzwischen bezüglich dem akzeptablen Ärzteeinkommen erreicht worden zu sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass die Taxpunkte vor allem bei den technischen Leistung (TL) noch unter Druck kommen könnten. Bei den bildgebenden Verfahren, wo die TL aufgrund der maschinellen Ausstattung ein überdurchschnittliches Ausmass hat, könnte dies zu weiteren Einbussen führen.

Interessiert Sie das Thema? Dann schauen Sie bald wieder auf unserer Seite vorbei; wir werden weitere Beiträge dazu veröffentlichen. Gerne können Sie uns direkt kontaktieren.


  1. Für die Berechnung haben wir statistisch ein Mengenkonstrukt an Einzelpositionen aufgrund von Gesamtmarktdaten extrahiert.

  2. Bspw. ein Zuweiser sendet weniger MRIs relativ zu Röntgen als es für sein Fachgebiet üblich ist. Es stellt sich die Frage, ob er allenfalls bei seine MRIs einen anderen Anbieter berücksichtigt.

  3. Die Arbeitsversion ist abrufbar unter http://leistungsstruktur-ambulant.ats-tms.ch/#/dashboard