MRI unter der atm-tms neuen Tarifstruktur

· von Martin Geissmann

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Neue Leistungsstruktur

Vor wenigen Wochen haben die Tarifpartner FMH, Curafutura (CSS, Helsana, KPT, Sanitas) und MTK-UVG die Arbeitsversion für ihren Vorschlag für einen neuen ambulanten Leistungstarif publiziert. Die Tarifpartner treten unter dem Dach der Aktiengesellschade atm-tms AG auf. Der Leistungsstruktur fehlen noch Anwendungs- und Abrechnungsregeln, also insbesondere Mengenbeschränkungen (was die FMH verhindern will1) und Kombinationseinschränkungen. Letztere sind in der Radiologie wahrscheinlich wieder die Untersuchung von angrenzender Regionen, beispielsweise Knie und Oberschenkel, in der gleichen Sitzung.

Wie wahrscheinlich es ist, dass der Vorschlag allenfalls bereits ab dem Jahr 2020 den TARMED ersetzen wird, ist seit dem Ausstieg von H+ noch schwieriger zu prognostizieren. H+ unterstützt neu die Parlamentarische Initiative Tarifpflege und Entwicklung, was schlussendlich einem Berset’schen nationelen Tarifbüro entsprechen würde. Obwohl keine Mehrheit der Leistungserbringer und Versicherer nötig sind, um einen Tarif vom Bundesrat genehmigen zu lassen, könnte die Positionierung von Santésuisse (SWICA, Sympany, Assura…) schlussendlich entscheidend sein. Die Kompetenz für die Genehmigung liegt beim Bundesrat.

Die Kräfteverhältnisse bedeuten für den nun vorliegenden Vorschlag neue Leistungsstruktur einen schweren Stand. Konsens scheint inzwischen bezüglich dem akzeptablen Ärzteeinkommen erreicht worden zu sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass die Taxpunkte vor allem noch bei den technischen Leistung2 unter Druck kommen könnten.

Bei den bildgebenden Verfahren, wo die technische Leistung aufgrund der benötigten maschinellen Ausstattung ein überdurchschnittliches Ausmass hat, könnte dies noch zu weiteren Einbussen führen. Unbestritten ist, dass durch den technischen Fortschritt (und die tiefen Leasingzinsen), radiologische Grossgeräte viel günstiger zu haben sind. Allerdings ist es nicht ohne Grund, dass spezialisierte Institute weiterhin hohe Investitionsausgaben haben, um mit dem Fortschritt mitzuhalten und bestmögliche Bildqualität zu erhalten (z.B. 3T statt 1.5T MRI mit dem ganzen Spulensortiment).

MRI Untersuchungen unter der neuen Leistungstruktur

Nachfolgend sollen drei verschiedene MRI Untersuchungen betrachtet werden. Wir vergleichen den Vorschlag neue Leistungsstruktur (ats) mit dem aktuellen (09) und den bis Ende 2017 gültigen Tarif (08).

MRI Sprunggelenk (nativ)

Native Untersuchung MRI Sprunggelenk. Im aktuellen TARMED darf bei persönlicher Betreuung durch den Radiologen die Zuschlagsleistung (Zuschlag zur Hauptleistung, hier: MRI Fuss) 39.5015 verrechnet werden. Im aktuellen Tarif ist dazu eine Leistung im engeren Sinne (Minutate) von 5 Minuten vorgesehen. Im Vorschlag neue Leistungsstruktur ist die Verrechnung variabel nach effektiv aufgewandter Zeit, wobei wir für die hier betrachteten Fälle je 5 Minuten (pro Hauptleistung) annehmen.

MRI Neuro-/Viszerokranium nativ +i.v. KM und MRI Angio

Hier soll ein komplexer Fall MRI Kopf im Umfang Neuro-/Viszerokranium nativ und nach Kontrastmittelgabe und zusätzlicher MRI Angiografie betrachet werden.

Der neue Tarifvorschlag erlaubt zusätzlich bei komplexen neuroradiologischen Fragestellungen die Befundung nach LieS (Minutage Leistung im engeren Sinne) zu erfassen. Da die reguläre Befundungsleistung jedoch bereits eine LieS (und RBZ Raumbelegungszeit) von 25 Minuten vorsieht und separat pro Hauptleistung zu verrechnen ist, verzichten wir auf die Zusatzposition QJ.3002 Besonders aufwendige Befundung und Berichtserstellung MRI, pro 1 Min.

MRI Cholangiographie

Diverse Untersuchungen können im TARMED unzureichend verrechnet werden, da Mengen- und Kombinationseinschränkungen die Leistungserfassung einschränken. MRI Cholangiographien können trotz ihres Zeitaufwands (~1h) lediglich wie ein wesentlich weniger aufwendiges MRI Abdomen/Becken verrechnet werden.

Die neue Tarifstruktur sieht eine zeitspezifische Abrechnung bei aufwändiger technisch Untersuchungen vor. In vorliegendem Beispiel kann die entsprechende Position QL.2001 erfasst werden. Zur Vereinfachung nehmen wir hier 20 Minuten zusätzlich an. Ein MRI Abdomen hat bereits eine RBZ von 34 Minuten.

Erkenntnisse aus der neuen Leistungstrutkur

Die neue Leistungsstruktur hat den Anspruch sachgerecht zu sein. Darunter verstehen wir gleichzeitig einfacher (weniger Positionen?) und spezifischer der erbrachten Leistung entsprechend.

Die Auswertung zeigt, dass bezüglich verrechenbaren Taxpunkten die radiologischen Untersuchungen weiter unter Druck kommen. Beim MRI Sprunggelenk wären nahezu 24% weniger TP verrechenbar gegenüber dem aktuellen Tarif (welcher bei dieser Untersuchung auch bereits 9% tiefer liegt als im bis Ende 2017 gültigen TARMED). Grund dafür ist vor allem die Streichung der Grundpositionen (Grundkons und technische GL). Beim hier komplexen Fall MRI Kopf wären 9% weniger TP abrechenbar. Bisher zu gering honorierte Untersuchungen, etwa den hier dargestellten Fall einer MRI Cholangiographie, wird über die zusätzliche Zeitposition besser vergütet (+24%).

atm-tms schreibt explizit, dass der von ihnen entwickelte Tarif zwar die Struktur und Taxpunkte vorgibt, nicht aber die Taxpunktwerte. Möglich ist es darum, dass sofern juristisch diese Möglichkeit besteht, die kantonalen KVG-Tarifverträge zu Ungunsten der Leistungserbringer angepasst werden, nachdem ein neuer Tarif in Kraft tritt, also die Taxpunktwerte nach unten korrigiert würden.

Interessiert Sie das Thema? Dann schauen Sie bald wieder auf unserer Seite vorbei, wir werden weitere Beiträge veröffentlichen zur Tarifentwicklung. Bei Anregungen oder Fragen dürfen Sie uns gerne kontaktieren.


  1. Besonders umstritten sind dabei Limitationen auf Leistungen. Der Bundesrat hat solche Einschränkungen bei seinem Tarifeingriff verfügt, beispielsweise bei den Leistungen in Abwesenheit des Patienten, und sich damit den Ärger der Ärzte zugezogen. «Wir wehren uns gegen eine verdeckte Rationierung», sagte FMH-Präsident Jürg Schlup. Quelle: NZZ, https://www.nzz.ch/schweiz/der-neue-aerztetarif-nimmt-eine-wichtige-huerde-ld.1436340

  2. Im Vorschlag neue Leistungsstruktur ats-tms wird die bisher als TL bekannte technische Leistung neu IPL: Infrastruktur und/oder Personalleistung bezeichnet.